Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
702
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7O2 Betracht, über die Weltgeschichte.

können, wenn man nicht ihre ältesten Vorfahren ken-net. So mannichfaltig die Schicksale sind, welche sieerfahren haben: so wird man dock nicht leicht ein Volkfinden, das seinen ursprünglichen Charakter , seine er-ste!? Gewohnheiten, Sitten und Gebrauche, längerbeybehalten habe, als sie. Die christliche Religion,die Ausbreitung der Künste und Wissenschaften , unddie Einrichtung der Policen unter ihnen , konnten sieso sehr nicht verandern, daß man nicht immer in ihnendie ersten Germanier hatte erblicken sollen, welche vor-nehmlich Cäsar, und hernach Tacitus , der Nachweltbeschrieben und abgebildet haben.

So dunkel und unbekannt der Ursprung fast alleralten Völker ist: so wenig kann auch mit Gewißheitbestimmet werden, durch was für Wege die Deutschenin die Länder gekommen sind, die von ihnen den Na-men Germaniens erhalten haben. Man ist nicht ein-mal im Stande, die Gränzen des Landes, welches vonihnen bewohnet worden ist, mit einer völligen Zuver-</s läßigkeit anzugeben. Das alte Germanien wird als5»o,-.6^.x>i waches Land beschrieben, das voll Moräste undWälder, feucht gegen Gallien , gebirgig gegen Pan-nonien, frucktbar genug, aber traurig und ungebauctwar. Die Völker glichen den Gegenden, die sie be-/</. c. 4. wohneten. Ihre Leibesbeschaffenheit war, ungeachtetihrer großen Anzahl, durchgehends einerley. Diemeisten hatten wilde blaue Augen und starke Leiber,die alle Ungemächlichkeiten der Witterung und desKrieges aushalten konnten. Ihre Lebensart, ihreharte Erziehung, ihre geringen und ungekünsteltenSpeisen , ihr nahrhaftes Getränke, die beständigenAbwechslungen von Ruhe und Bewegung , und ihrespate Liebe,, mußten feste und dauerhafte Körper erzeu-gen. Viele hatten keine andere Kleider, als die Fel-le