Dritter Abschnitt. 70z
le der Thiere, die dazu noch den wenigsten Theil desLeibes bedeckten. So lange die Seele ungebildet blieb,kannten sie keine andere Bedürfnisse, als die Bedürf-nisse der Natur. Weil ihre Begierden hauptsächlichauf die Erhaltung des Lebens durch Speise und Tranßgiengen: so kannten siz auch wenig andere Wollüste,als die Alisschweifungen in der Befriedigung dieserBegierden und vornehmlich die Trunkenheit, weil dermenschliche Körper dieselbe länger aushalten kann, alsdie Unmäßigkeit im Essen. Sie mußten kriegerischwerden, weil sie der Erde ihre Nahrung nicht abzwin-gen , sondern sie finden wollten, und das Recht zu ha-ben glaubten, sie überall zu suchen. Die Natur leh-rete sie die Treue gegen ihre Familie, und gegen an?dere die Nothwendigkeit, weil sich eine Familie nichtohne die Vereinigung mit andern, wider Feinde, diestärker waren, als sie, erhalten konnte.
Diese Treue ist einer von den rühmlichsten Zügen ih« Ares Charakters. Ihre Feindeselbst, die Römer, muß-ten sie dieser Eigenschaft wegen erheben, und Augu-stus und andere römische Kaiser, hatten keine treuereLeibwachen, als die Deutschen. Ihr bürgerlicher Um-gang hatte wenig Annehmlichieiten. Weil sie die Kün-ste nicht kannten, so kannten sie auch die Wollüste desWitzes nicht; desto größer aber war ihre Aufrichtigkeitund ihr Haß gegen alle Verstellung. Die Griechen 7^. ^? /IL,und Römer sind nicht gastfreyer gewesen, als sie. Sie 6- c.-.öffneten ihre Wohnungen einem jeden, dem Unbekann-ten so wohl, als dem Bekannten, und bewirthetenihn mit allem, was sie vermochten. Die Prachr kann-ten sie nicht; man fand wohl unter ihnen güldene undsilberne Gefäße, die sie im Kriege erbeutet hatten, abersie hatten in ihren Augen keinen größern Werth, alsihr irdenes oder hölzernes Hausgeräche. So leicht
ist