Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
704
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7O4 Betracht, über die Weltgeschichte.

ist die menschliche Natur zufrieden, wenn sie nichtdurch die Weichlichkeit verdorben ist!

So groß ihre gesellschaftliche Treue war, so großwar auch ihre eheliche Treue. Ihr kaltes Naturclhielt alle die Unordnungen zurück, welche die Leiden-schaft der Liebe bey weichlichen Menschen anrichtet. Eswar unter ihnen ein Gesetz, nicht jung zu heiralhen, undder, welcher am längsten unverheirathet blieb , erhieltunter ihnen das größte Lob. Vor dem zwanzigstenJahre mit einem Weibe Gemeinschaft gehabt zu haben,das war die größte Schande. Sie vereblichten sichnur mit einem Weibe. Nur die Voi nehmen giengenvon diesem Gebrauche ab. Diese nahmen mehr Wei-ber , nicht aus Wollust, sondern zur Pracht. Wennman dieses weis , so wird man sich weniger wundern,daß die Könige des ersten Stammes , und selbst Carlder Große, so viele Gemahlinnen und Beyschläferin-nen hatte. Denn es gehörete dieses zur Ehre und/^.c. ,8. Pracht der Könige. Die Deutschen hielten ihren Ehe-stand so unbefleckt, daß Taciru? hierinnen ihre Sit-ten , den Sitten der Römer weit vorzieht. DieMänner gaben ihren Geliebten Geschenke ; dieselbenaber gehörcren nicht zum weiblichen Putze, sondernbezeichneten die Verrichtungen, die sie in der Gesell-schaft ihrer Manner vornehmen sollten. Weil ihrevornehmsten Geschaffte, entweder die Viehzucht oderden Krieg betrafen: so schenkten sie ihnen einige Stü-cken Vieb, ein gesatteltes Pferd, einen Schild, ei'ienSpieß und ein Schwerdt. Die Weiber theileten mitihren Männern die Sorgen der Kindcrzucht, und derHaushaltung; sie wurden gleich bey ihrem Eintrittedie die eheliche Gesellschaft durch eben diese Geschenke,so sie erhielten, daran erinnert, daß sie Theil an denArbeiten und Gefahren ihrer Männer nehmeil müßten.