Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
705
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Dritter Abschnitt. 705

Diese scheusten sich nicht, ihnen ihre Wunden zu zei-gen, und sie scheusten sich nicht, dieselben zu zahlen,oder auszufaugen. Sie trugen ihnen Speisen in die.Schlachten; sie munterten sie auf, wenn sie weichenwollten; sie beschimpften die Feigherzigen und strittenselbst mit, wenn es die Noth erfoderte. Der Ehe-bruch und die Unkeuschheit gehöreten unter die verhaß-testen Laster. Allein, sie waren so selten unter ihnen>als sie in ihren Augen groß waren. Der Mann stießeine Ehebrecherinn, nachdem er sie, ihres größtenSchmuckes, nämlich ihrer Haare, beraubet hatte, mGegenwart ihrer Anverwandten aus dem Hause, undgeißelte sie durch den ganzen Gau , oder Flecken, woer wohnete. Eine aufgeopferte Keuschheit fand keineVerzeihung. Eine Person, die dieses Verbrechensschuldig geworden war, fand nie, weder mit ihrer Ge-stalt, noch mit ihrer Jugend, noch Mit ihrem Reich-thums, einen Mann. Alle Mütter säugeten ihre Kin-der selbst, und überließen sie keinen Ammen und Wär-terinnen ; eine Tugend, die unsere Zeiten dem Pöbelüberlassen haben. Daher aber kam es auch, daßKrieger Krieger zeugeten, und unter, den Deutschenkeine gebrechliche Kinder gefundeil wurden. DerSchwestern Kinder fanden bey ihren Oheimen so vielLiebe, als bey ihren Vätern selbst. Ja einige hielten die-ses Band des Blutes noch für enger, als das Band zivi«schen Aeltern und Kindern selbst; und sie sahen besondersbey Geiseln darauf. Wenn man immer in der fränki--schen Geschichte findet, daß die Könige des erstm Stam-mes eine sehr große Liebe zu ihren Neffen, und ihrenSchwestern bezeuget haben: so laßt sich diese Zuneigungleicht aus dieser Meynung der alten Deutschen erklären.

Man findet, daß sie Knechte gehabt haben. Siemachten die überwundenen Feinde dazu. Diese muß-

ll. Theil. Y y ren