706 Betracht, über die Weltgeschichte.
ten den Acker bauen, und bey ihren Heerden dienen.Allein, dicse Leibeigenschaft war nicht hart. An der Erziehung und Lebensart war zwischen den Herren undKnechten kein Unterschied, welche ihnen einen gewissenTheil Früchte, Vieh, und Kleider liefern mußten. Imübrigen waren sie frey. E6 war etwas seltenes, einenKnecht zu geißeln, oder in Fessel werfen zu lassen. Esgehörte nicht unter die hausliche Zucht, ihn zu todten;geschah es, so geschah es ohne Strafe, aber nicht ausGrausamkeit, sondern aus einem ungestümen Zorne.
Ihre Neigung zur Freyheit war unüberwindlich.Sie war ihre größte Glückseligkeit. Die Nothwen-digkeit leitete siezwar aus der natürlichen Gleichheit ineine bürgerliche Gesellschaft. Sie mußten im Kriegeeinen Führer, und im Frieden ein Haupt haben, dasalles in Ordnung erhalten konnte. Dennoch aber mach-ten die sämmtlichen Deutschen keinen gemeinsamenStaat aus. Jede deutsche Völkerschaft hatte ihre ei-gene Verfassung. Der Adel machte Könige; die Ta-pferkeit Herzoge . Diesem Grundsatze folgeten die Fran-ken, als die letzten Prinzen des merovingischen Geschlech-tes den Namen der Könige behielten, weil sie aus deredelsten Familie waren, die Oberhofmeister aber die kö-nigliche Gewalt ausübeten,weil sie Tapferkeit und Muthbesaßen. Allein, ob sie gleich Fürsten hatten: so muß-ten doch alle wichtige Geschaffte und Bedürfnisse desStaates vor dem Volke überlegt und abgethan werden,und ihnen war bloß die Entscheidung kleiner und un-F-F. 5.--. wichtiger Angelegenheiten überlassen. Alle allgemeineVersammlungen wurden von aligemeinen Gastereyenbegleitet. Krieg und Friede wurde darauf beschlossen.Sieglaubeten, daß die Herzen sich bey Schmäusen mehraufschlössen und zu glücklichen Anschlägen fähiger wa-ren. Den einen Tag wurde geschmauset und berath-
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