Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
708
Einzelbild herunterladen
 

7O8 Betracht, über die Weltgeschichte.

Diese hießen Subvasallen, und so wurden die ver-schiedenen Mitglieder des Staats, die vorher fast aus-ser aller Verbindung mit einander gewesen waren,immer näher und enger mit einander vereiniget.Denn die Freyen beugten sich unter die Gewalt derKönige und der mächtigsten und reichsten Vasallen,um von ihnen mit ihren Gütern belehnt zu werden.

Die Liebe zur Freyheit machte die Deutschen krie-gerisch. Ihre Erziehung und herum schweifende Le-bensart nährete diesen kriegerischen Geist. Bald wer-den wir sehen, daß ihre Religion das ihrige dazubeytrug. Ganze Nationen sahen den Krieg als deneinzigen Weg zum Ruhme an, und die Feigheit wardie allergrößte Schande. Die Catten trugen so gareiserne Ringe an ihren Fingern als schmähliche Fessel,so lange bis sie einen Feind erlegt hatten. Einige gien-gen so weit, daß sie die ihrigen vom Ackerbaue undvon der Haushaltung abzogen, damit sie dieselben de-sto begieriger und fertiger zum Kriege machen möch-ten. Wein, der Staat Friede hatte: so sandte erganze Colonien aus, welche sich durch fremde Länderdurchschlagen und neue Wohnungen suchen mußten.Ihre größte Stärke bestund im Fußvolke; ihre Reu-terey war nicht so zahlreich, aber wohl abgerichtet.Ihre gewöhnlichsten Waffen waren Wurfspieße, Bo-gen, Schleudern, und Lanzen. Panzer und Harnischehatten sie nicht; diejenigen aber, welche Helme hatten,pflegten gemeiniglich die Hörner von wilden Thierendarauf zu setzen. Nichts war ihnen heiliger, als derSchild. Wer den verlohren harre, war ehrlos. IhreWaffen waren ihr liebstes Gerärhe. Die Jugend mar-tere mir Ungeduld aufdie Zeit, wo sie wehrhaft gemachtwurde. Denn alsdann wurden sie Männer und mündig.So lange die Deutschen leichte Waffen hatten, geschahL es