7lc> Betracht, über die Weltgeschichte.
die Unsterblichkeit der Seelen. Doch der Aberglaube,der sich unausgebildeter Gemüther leicht bemächtigenkann, mißbrauchte diese erhabenen Wahrheiten. DieBegierde, den Rath des Himmels zu wissen, brachtevielerley Arten von Wahrsagungen auf. Die Abwech-selungen des Mondes, das Wiehern der Pferde, dasWasser, selbst das Leben und Blut der Menscheil diene-ren ihnen zum Prophezeihcn. Auch hatten sie eine Kunst,aus Baumreisern zu weißagen, in die sie bey allen zwey-deutigen Vorfällen des Lebens eben so viel Vertrauensetzten, als unsere abergläubischen Bergleute in ihreWünschelruthen. Ihr Glaube von der Unsterblichkeitder Seele machte sie verwegen im Kriege, weil sie den-selben für den sichersteil Weg zu einem andern glückseli-gen Leben ansahen, ohne zu untersuchen, ob die Ursachendesselben rechtmäßig wären oder nicht. Ihr äußerli-cher Gottesdienst war ohne Pracht. Der Schauer fin-sterer Hayne und alter Eichen unterhielt ihre Andachtmehr, als alle Tempel bey den Griechen und Römernthaten. Die Opfer, unter denen sich zuweilen auchMenschen befandeil, mußten sie alle auf Befehl ihrerPriester mit der größten Stille abwarten. Diese stun-den in einem vorzüglichen Ansehen. Sie waren beydenVersammlungen des ganzen Landes gegenwartig, undzogen mit ihnen in den Krieg. Bey dieser Beschaffen-heit der Religion war es dem Christenthums nicht schwer,sich unter den Deutschen auszubreiten. Sie hatten un-ter ihnen weniger Vorurtheile und weniger Philosophiezu überwinden, als bey den Griechen und Römern.Nur unter denen deutschen Völkern, welche Gößen an-betheten, konnte sich der christliche Glaube so schnell nichtausbreiten. Die Sachsen sind ein Beweis davon. Sogewiß ist es, daß je reiner und unverdorbener die natür-liche Religion bey Menschen ist, desto schneller auch die
Wahr-