712 Betracht, über die Weltgeschichte.
wissenheit und Barbarey wieder zurück, aus denen siesich kaum herauszuwinken angefangen hatten.
Die alten Deutschen hatten, so rauh sie waren, dochihre Spiele und Lustbarkeiten. Die Musik war darun-ter, ob sie gleich nicht künstlich war. Sie hatten eineArt Ritterspiele, die den Turnieren gleich kommen.Rennen und Schwimmen und die Jagd gehöreten unterihre vornehmsten Leibesübungen und Belustigungen.Man hat gesehen, daß selbst Carl der Große, dieselben. liebte und alle andere Franken darinnen weit übertraf.Man kann aus diesem sehr einfachen Charakter derDeutschen schließen, daß ihre Gesetze nicht zahlreich undweitläuftig gewesen sind. Die Verrätherey, das Ue-berlaufen zu den Feinden des Staates, und die Feigheitwaren die öffentlichen Verbrechen. Die sich der Ver-rätherey schuldig gemacht hatten, wurden an den Bäu-men aufgehangen; die Feigherzigen und Ehrlosen wur-den in Sümpfe geworfen. Sie hatten Richter untersich ; ihr Amt war so geehrt, daß nur die Vornehmstenund Aeltesten dazu erwählet wurden. Ein graues Haarwurde für ein Kennzeichen der Erfahrung und Beschei-denheit gehalten. Den Richtern wurden Beysitzer zu-geordnet, damit sie sich in schweren Fällen ihres Rathsbedienen konnten. Dieses ist der eigentliche Ursprungunserer Schoppen. Jede deutsche Völkerschaft, weilsich die alten Germanier nie mit einander vereinigten,als wenn sie wider gemeinschaftliche Feinde auszogen,hatte ihre besondern Gewohnheiten; denn diese vertra-ten die Stelle der Gesetze, nach welchen sie gerichtet
5.5^>//,. wurden. Sie waren erst nicht schriftlich abgefaßt, son-wurden bloß mündlich unter ihnen fortgepflanzt.
^"o^-n Seitdem aber unter den Deutschen die Franken Gallien eroberten: so wurden besonders ihre Gesetze aufgeschrie-ben und sehr berühmt. Diese Franken theilcten sich vor-nehmlich