7i4 Betracht, über die Weltgeschichte.
das, was durchaus nicht mit den Grundsätzen des Chri-stenthums bestehen konnte. Im Grunde blieben sieunverändert. Sie nahmen zum Exempel keine Lubcs-sirafcn an; die burgundischen und westgothischen aberlitte» diese Veränderung. Die letztem insbesondere er-fuhren die traurigsten Schicksale. Die Bischöfe galtenan dem Hofe der westgothischen Könige alles. Die wich-tigsten Angelegenheiten wurden durch die Bischöfe ent-schieden. Man findet in dem Gesetzbuchs der West-gorhen alle Grundsätze der heutigen Inquisition. DennMönche waren es, welche dasselbe verfasseten. IhreGesetze waren kindisch und verfehleten das Ziel; sie wa-ren voll falscher Beredsamkeit und leer am Verstände,Kleinigkeiten im Grunde und UiMheuer im Ausdrucke.
Die Gesetze der Sachsen wurden von ihrem Ueber-winder schriftlich verfasset. Durch die darinnen ver-ordneten Geldbußen verrathen sie den alten deutschenGeist ; durch die Leibesstrafen, die sie verordnen, dieStrenge des Ueberwinders.
Je weniger Vorzüge die Gesetze der Deutschen ih-nen selbst vor den überwundenen Völkern ertheilet?»,welches die Gothen, die Lombarden, und Burgunderthun mußten, um sich in den eroberten Ländern leichterzu behaupten, desto weniger wurden sie allgemein, unddesto persönlicher blieben sie. Diesalischen Gesetze hin-gegen, ob sie gleich den Ueberwundenen den freyen Ge-brauch der römischen Rechte ließen, vertrieben sie dochnach und nach. Dieses kam daher, daß sie den Frankenzn große Vorzüge vor den Ueberwundenen ertheilctcn.So kostete zum Exempel der ^ordeccus eines vor-nehmen Franken, oder die Ermordung desselben, sechshundert Solldos ; da die Ermordung eines von derüberwundenen Nation kaum mit der Hälfte dieserGeldstrafe belegt wurde. Man verließ also die römi-