Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1782)
Entstehung
Seite
384
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Z84 i.TH. 4. Abschn. Syntax.

Ich bemerke hier noch den sonderbarm Un-terschied, welchen Gottsched in seiner Sprach-lehre unter dem Imperfccte und Perfecte angibt.Wenn man, sagt er, etwas erzählet, wobey man selbst zugegen gewesen, oder woran man selbst Theilgehabt; so bedienet man sich der unlängst vergan-genen Zeit (des Imperfecteö); redet man aber vondem, was andere ohne uns gethan haben, so nimmtman die völlig vergangene Zeit. Gewisse tand- schaften bemerken diesen Unterschied nicht, und wer-den dadurch so unverständlich, daß man sie fragen muß, ob sie dabey gewesen oder nicht. " Es istunnöthig, den Ungrund dieses Unterschiedes zu be-weisen ; das erste das beste Beyspiel ist dazu hin-länglich. Wenn ich erzähle, im Anfang schufGott Fimmel und Erdeu. f. f. wer wird sich dawohl träumen lassen, daß ich mit dabey gewesen?oder wenn ich sage, ich bin gestern zu Gaste ge-wesen, welcher vernünftige Mensch wird wohl zwei-feln, daß ich mit dabey gewesen? Wäre dieser Un-terschied gegründet, so könnte, wie schon Aichingerangemerket hat, das Perfectum keine erste Personhaben. Gottscheds Beyspiele beweisen nichts vonseinem Satze.Wenn ich sagen wollte, heißt es:gestern bervirrhete Casus verschiedene guteFreunde und Titius war auch dabey; so. würde ein jeder denken ich wäre mit dabey gewe- sen." Gewiß nicht; er wird nur denken, ichwollte eine ordentliche Erzählung anfangen. Sprä- che ich aber: gestern hat Casus Gäste bey sich gehabt, und Titius ist auch bey der Gesell-schaft gewesen, so wird ein jeder glauben, ich seynicht dabey gewesen, sondern habe es nur vernom- men." Nichts weniger als das; er wird nur glau-ben, und zwar mit Recht, daß er keine Erzählung

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