Vorrede.
ten werden hernach noch wohl von 'mehreren an-genommen. Wenn aber andere Provinzen undSchriftsteller der Analogie gemäß reden und schrei-ben, so muß man diesen Recht geben, und sich nie-mahls so sehr für den Gebrauch seiner eigenen Pro-vinz einnehmen lassen, daß man nicht den Ge-brauch der anderen für den richtigsten und bestenerklären sollte, so bald man siehet, daß er den all-gemeinen Regeln gemäßer ist (^). - '
Die
<5) Dieser ganze Einwurf rühret aus einer sehr gemeinenaber um deßwillen nicht weniger irrigen Vorstellung vonder Hochdeutschen Mundart und ihrem Verhältnisse ge-gen die Mundarten der Provinzen her. Ich bemerke da-gegen so kurz als möglich, l. Ein Sprachgebrauch, wel-cher durch ganz Deutschland und in allen Provinzen all-gemein ist, ist ein Unding. Unter hundert Fällen wirdman kaum zwey und vielleicht nicht einen finden, wo derSprachgebrauch so allgemein wäre, als hier verlangtwird, weil immer eine oder die andere Provinz davonabweichen wird. 2. Eine allgemeine Deutsche Sprache,welche aus dem übereinstimmigen Sprachgebrauchc allerProvinzen bestände, gibt es nicht, hat es nie gegeben,und kann es nie geben, z. Die Hochdeutsche Mnndart,von welcher in meiner Sprachlehre allein geredet wird,vertritt zwar ihre Stelle in den Werken des Geistes unddes Geschmackes, allein sie ist nichts desto weniger eineeigene Mundart. Man sehe g. 26 und 32 der Einleitung.4. Jede Mundart hat ihren eigenen Sprachgebrauch,und dieser ihr eigener Sprachgebrauch ist eben das, waösie zur Mundart macht. Jede Mundart muß daher auSsich selbst beurtheilet werden; der Sprachgebrauch an-derer Provinzen kann dabey nie in Betrachtung kommen.Was gut Schwäbisch , gntFränkisch,gutBaierisch istu.s.f.kann nicht ans der Schlcsischen, Pommerschen, Hochdeut-schen u.s.f. beurtheilet werden; eben so wenig kann aus denProvinzial-Mundarten bestimmet werden, was gut Hoch-deutsch ist. Wem fiel es wohl in Rom ein, die Lateini-sch -