Vorrede.
XXllI
Die Sprachlehre selbst ist in zwey Theile ab-getheilet, deren erster von der Fertigkeit richtigzu reden, und der zweyte von der Fertigkeit
b 4 richtig
sche Schiistsprache nach den Mundarten der Provinzenzu richten, »der wem ist es in Frankreich einfallen, dieFranzösische Hof- und Schriftsprache dem Richtcrstuhleder Provinzial-Mundarten zu unterwerfen? 5. MeinRecensent hat nicht bedacht, wie vielen Thorheiten undUngereimtheiten der Weg gcbahnet wird, wenn man dieEtymologie und Analogie über den Sprachgebrauch er-hebet; die meisten bisherigen orthographischen Mißgebur-ten sind aus diesem irrigen Vorzüge entsprungen. Nurein Paar Beyspiele, immer noch nicht die auffallendsten.In Baiern spricht «nd schreibt man drcyzig, sowohl derEtymologie, von zug, ziehen, als auch der Analogie vonvierzig u. s. f. gemäß. Es gibt Provinzen, welche zweyn-zig für zwanzig sagen; wieder dcrEtymologie und Ana-logie gemäß. Soll denn darum der Hochdeutsche auchdreyzig und zweynzig sprechen und schreiben? 6. ESgibt selten eine Analogie, der nicht eine andere Analogie,und oft mehr als eine, im Wege stünde; wer sollnun den Auöspruch thun, welche befolgt werden nmß,wenn es nicht der Sprachgebrauch ist? Wir haben fürdie Coujugcttion zwey Analogien, die reguläre und die ir-reguläre; diese begrcisst wieder vielfache Analogien uMcrsich. Wer sagt mir, welcher Analogie ich folgen muß,wenn es nicht der Sprachgebrauch ist? Es bleibt daherunleugbar gewiß, 1. der Sprachgebrauch ist in einer je-den Sprache, folglich auch in der Deutschen, der erste undhöchste ^Entschcidungsgrnnd, welchem die Analogie undEtymologie schlechterdings nachstehen müssen, 2. Wasin jeder Sprache, in jeder Mundart richtig ist, kann nuraus dem Sprachgebrauche jeder Sprache und Mundartselbst entschieden werden, folglich was im Hochdeutsche»richtig ist, nur allein aus dem Hochdeutschen Sprachge-brauch«?. Man sehe §. z8 und 41 der folgenden Einlei-tung. Was mein Recensent von den Fehlern emzelerSchriftsteller sagt, gehöret hierher nicht; man sehe davonindessen §. 40 der Einleitung.