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Einleitung.
vinz, wo sich dieser Geist entwickelte/und sich schnellüber ganz Deutschland verbreitere. Die überausgroße Pracht lind Verschwendung, welche schon da-mahls an den Höfen des hohen Adels, besonders indem südlichen Deutschlande, herrschte, kam ihm zuHülfe, und so entstanden denn die vielen Dichterdieses Zeitraumes, welche man, aber mit einem sehrunschicklichen Nahmen, Minnesinger nennet, ge-rade, als wenn sie sonst nichts als iiebe gedichtethätten.
Es laßt sich nicht genau bestimmen, wenn ei-gentlich die Dichtkunst als ein Vergnügen der Höfeim südlichen Europa ihren Anfang genommen hat.Der erste Provenzal-Dichter, von welchem man Nach-richt hat, ist XVilhelm Graf von poirou undHerzog von Aquitanien, welcher 1071 gcbohrenward, und 1122 starb; und die ältesten Schwäbi-schen Dichter, welche wir kennen, sind: Heinrichvon Veldeck, welcher schon um 1170 gesungen ha-ben muß, Hartmanü von Owe, TVolfram vonAscdeldach, NXUlhcr von cvr Vogelrvcideu. s. f. alle um den Anfang des dreyzehnten Jahr-hunderts. Aliein, wenn man sie mit dem letztenDickte? des vorigen Zeitraumes, dem Verfasser desjobgevichtes auf den heil. Anno vergleicht, so istihre Sprache schon so ausgebildet, und ihre Einbil-dungskraft verräth schon so viele Cultur, daß mansie wohl nicht für die ersten Dichter dieser Zeit hat-ten kann, sondern den Anfang dieser Periode weiterzurück, wenigstens in die ersten Zeiten Friedrichs 1.(1152 —1190) setzen muß, der die Provenzal-Dich-ter an seinen Hofzog, selbst Verse in ProvenzalischerSprache machte, und dadurch den Geist der Nach»eiferung in Schwaben und dem übrigen Deutsch-lands erweckte,
Bisher