Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
53
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II. Deutsche Sprache. 5z

Bisher war die Fränkische Mundart die Deut,sche Hofsprache gewesen, und bis meisten der im vo-rigen angeführten Schriften sind in derselben ge-schrieben. Allein jetzt, da die Kaiserwürde auf dasSchwäbische HauS der Hohen-Stauffen kam, undzugleich die Dichtkunst sich zuerst in Schwaben bil-dete, und sich von da aus über ganz Deutschland verbreitete, ward die verfeinerte Schwäbische oderAlemannische Mundart sowohl die Deutsche Hof-sprache, als auch die Büchersprache des ganzen gesit-teten Theiles der Nation, in welcher Würde sie sichbis zur Reformation erhalten hat. Vermuthlichward die Ober-Deutsche Mundart jetzt auch in denGerichtshöfen eingeführet, wo sie in Schriften nochnicht ganz ausgesiorben ist, sondern unter dem Nah-men des Gerichts-- und Kanzelley-Styls nochzum Theil beybehalten wird.

§. 2z. Indessen hüte man sich, daß man die Ihre Mn»Dichter dieser Zeit, sowohl die Provenzalischen, als gel.Schwäbischen , nicht über ihren wahren Werthschätze, wie sehr oft selbst in den neuesten Zeiten ge-schehen ist, wo man sie wohl gar als Muster derNachahmung angepriesen hat. Sie sind in einemso rohen und unwissenden Jahrhunderte, als daSzwölfte und dreyzehnte ist, allerdings eine angeneh-me Erscheinung, und um der Sprache willen über«aus schätzbar. Allein dieß ist auch ihr ganzes Ver-dienst. Die Dichtkunst war damahls ein bloßerZeitvertreib der Höfe, und die Dichter sangen nichtauf Antrieb des Gottes, dessen Einfluß die Seele,mächtig dahin reißt, und der sich auch in Jahrhun-derten der Barbarey und Unwissenheit einen ^>osmer und Gssian zu erwecken weiß, sondern weil e6Mode war, und zur guten Lebensart gehörte, und

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