!l. Deutsche Sprache. 97
?. Der immer zerrüttete Zustand des Reichsunter den stolzen Kaisern beö Schwabischen Hauses,welche durch ihre ewigen Kriege in Italien sich und)das Reich schwächten. Mit ihrem Ansehen fiel auchdas Ansehen derGefehe; jeder suchte sich selbst Rechezu schaffen, und diese Selbsthilfe führte unvermerktzu den Gewaltthätigkeiten, Plackereyen und Raube-reycn, welche dem dreyzehnten Jahrhunderte einewiges Brandmahl seyn werden. Die Ritter ver-lohren das Gefühl der wahren Ehre, und wurdenRaufbolde und Räuber; sie hatten sich durch ihreÜppigkeit und Verschwendung zu Grunde gerichtet,und beraubte», nunmehr die durch den aufblühendenHandel reich gewordenen Städte, und in diesemverwilderten Zustande konnte die Dichtkunst, so rohsie auch damahls noch war, wenig Reihe mehr fürsie haben. Die Dichter, deren glänzendste Stützesie gewesen waren, verlohren Ehre und Brot, undmit diesen auch den Trieb zu dichten, zumahl dadie mehresten von ihnen keine andere Begeisterungkannten. Wäre die Dichtkunst selbst bis zur wirk-lich schönen Kunst erhoben worden, so würde sie in-nere Stärke genug gehabt haben, diesen GlückSwech-sel zu überleben; so aber befand sie sich
2. Noch in ihrer Kindheit, und war mehr einWerk des Zufalles, als des Genies. Sie hatte ihrAnsehen dein Schuhe der Großen zu danken, und daihr dieser entzogen ward, so sank sie auch in ihr vo-riges Nichts zurück. Zwar starb das Geschlecht derDichter, oder, wenn man lieber will, der Reimer,nicht aus; allein da von den Höfen der Großen keinGlanz mehr auf sie zurück strahlte, so verlohren siesich unter den zünftigen und verachteten Meisterssiingern.
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