58 Einleitung.
z. Die Armuth an Stoff, eine nothwendigeFolge der eingeschränkten Begriffe, und des trauri-gen Zustandes der höhern Wissenschaften, führte eineeinschläfernde Einförmigkeit mit sich, und diesemachte sie, so bald sie sich selbst überlassen waren,verächtlich. Als das Feld der angenehmen Empfin-dungen in iicdern, und der Erdichtung inRitter-Ro-manen erschöpft war, so führte die wahre Geschich-te sie in Versuchung, und nun entstanden gereimteChroniken ohne Zahl, wodurch die Geschichte ebenso verächtlich gemacht wurde, als die Dichtkunst.
4. Die Universitäten, welche nunmehr häusigerzu werden anfingen, und die höhern Wissenschaftenund freyen Künste dem dunklen Staube der Dom-und Kloster-Schulen entrissen, konnten der Spra-che und den schönen Künsten nicht aufhelfen. Siewurden Tummelpläße staubiger Pedanten, und un-ter den ewigen Zänkereyen der Nominaliften, Rea-listen und Formalisten konnten weder Geschmacknoch gesunde Vernunft aufkeimen. Die Sprachehatte sich von den Universitäten am wenigsten zuversprechen, weil das barbarische iatein alle iehr-siühle beherrschte.
Glückliche §. 25. Nach dem Untergange des Schwäbischen Wnände- Hauses gerieth Schwaben, welches bisher der Sitz""^ ^ der Künste und des Geschmackes gewesen war, indunderte ' Verfcck, indem es bey nahe so viele unumschränkteHerren bekam, als die Hohensiauffen Vasallen ge-habt hatten. In dem übrigen Deutschlande herrsch-ten, so wie hier, Verwirrung, Faustrecht, Gewalt-thätigkeiten und Befehdungen, und obgleich Rusdolph 1. alle Macht und Mühe anwandte, Ruheund Ordnung im Reiche wieder herzustellen, so wardoch mehr als ein Jahrhundert nothwendig, ehe das
vielköpfige