Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
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Einleitung.

Jahrhunderte sehr einleuchtend. Erst war sie mit-telländisch oder Fränkisch, dann Oberdeutsch oderdas höchste Deutsch, und jetzt ist sie wieder mittel-ländisch, aber ein sehr ausgebildetes und verfeiner-tes Mittelländisch. Daß die alte OberdeutscheMundart bisher in dem sudlichen Deutschlandenoch immer die gewöhnliche Sprache der Schrift-sieller und des gesellschaftlichen Umganges der obern-<Tlassen ist, ist ein Beweis, daß diese Hälfte deSReichs in der Cultur hinter der nördlichern zu-rück geblieben ist. So wie Aufklärung und Ge-schmack auch in diesen Gegenden mehr Platz greif-fen, so verfeinert sich die Sprache von selbst, unt>wird an der Donau und an der Iser, mandenke!- hochdeutsch. Das beweisen dieSchriften eines Deute, Mastalier, Sonnen-fels, Braun, von Vorn und anderer würdigenMänner, welche auch in Ansehung der Spracheden besten Schriftstellern der Nation an die Seitegesetzt zu werden verdienen. Unsere neuestenSprachrichter in Schwaben bedenken also nicht,was für einen nachtheiligen Verdacht sie wider sichselbst veranlassen, wenn sie in ihrer AlemannischenMundart auf dieHochdeutsche Sprache und ihre Ty-rannei) schmälen.

Man hat in den neuern Zeiten, wo man sich sogern über alles, was den Schein einer Einschrän-kung hat, hinweg setzen möchte, gefragt, ob es anch- wirklich nützlich ist, daß es eine allgemeine herr-schende Mundart gebe, und ob es nicht besser sey,daß jeder in der Mundart schreibe und rede, dieihin angebohren ist. Bequemer wäre es allerdings,aber auch besser? ich zweifle. Die Erfahrung al-ler Zeiten lehret es, daß in einem jeden iande voneinem beträchtlichen Umfange nur allemahl eine

Mundart,