Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
87
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III. Deutsche Mundarten. 87

Mundart, und zwar allemahl die Mundart der blü-hendsten und gesittetsten Provinz die herrschende ist.Nur dann können mehrere Mundarten gleiche Rech-te haben,wenn ihre Provinzen, sowohl in dem Gra-de, als auch in dem Alter der Cultur, einander gleichsind. Dieß scheint der Fall in Griechenland zu derZeit gewesen zu seyn, als die drey Hanpt-Dialectegleiche Würde und gleiches Ansehen hatten. Alleinsobald Athen seine Nebenbuhler in der Cultur merk-lich übertraf, ward auch dessen Mundart wirklichdie herrschende, und die übrigen wurden vergessen.Überdieß ist es für ein großes in mehrere Mund-arten getheiltes Reich in tausend Fällen überauswichtig, wenn es eine allgemeine Mnndart hat,welche in allen Provinzen gleich verstandlich ist.Eben dieß ist auch die Ursache, warum der Restder alten Oberdeutschen Mundart, welcher sich, al-ler Ausbildung der Sprache ungeachtet, noch im-mer in den Gerichtsstuben und so vielen Kanzcllenenerhalten hat, so schwer daraus zu verdrängen ist.Sie ist daselbst allgemein verständlich, alle ihreAusdrücke und Biegungen sind durch die iänge derZeit und unzählige Streitigkeiten endlich auf dasgenaueste bestimmt. Eine Veränderung der Spra-che würde tausend Unbequemlichkeiten nach sich zie-hen, und der Chicane ein neues sehr fruchtbareöFelderöffnen.

Aber so ist es doch wohl erlaubt, die Hochdeut-sche Mundart, da sie nun einmahl die herrschendeist, aus der Provinzial-Sprache zu bereichern?Nun ganz kann man diese Freyheit nicht läugnen;ober sie muß überaus enge eingeschränket, und allen-falls nur da verstattet werden, wo es auch erlaubt ist,ganz fremde Wörter aufzunehmen, nähmlich wennfremde Gegenstände und nothwendige Begriffe,

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