Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
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Einleitung.

welche im Hochdeutschen keinen Nahmsn haben,mit einem Worte ausgedruckt werden müssen.Dieser Fall wird aber seltener kommen, als manglaubt. Die Gemächlichkeit, nicht lange nach ei-nem schicklichen Ausdrucke herum sinnen zu dürfen,das Bedürfniß eines seichten Kopfes, einen dunke-len oder verworrenen Begriff unter dem Mantel ei-nes halb fremden Wortes als einen neuen Gedan-ken aufzustellen, die vorgegebene Kürze und ein Ne-benbegriff oder vorgegebener Nachdruck können nieeine hinlängliche Ursache dazu seyn. Jede Sprachehat eine Menge Wörter für Begriffe, welche eineandere Sprache nicht anders als durch mehrereWörter ausdrucken kann. Was würde aus allenSprachen werden, wenn jede daö Recht zu habenglaubte, in diesem Falle um der bloßen Kürze wil-len, von der andern zu borgen. Der flüchtige un-geduldige Franzose, dessen Sprache durch ihre ur-sprüngliche Vermischung fast alle ihre Eigenthüm-lichkeit verlohren har, wiederhohlet tausendmahl seinje tLQir A bout, aller- a cbevsl u. s. f. ehe er um derKürze willen dem Deutschen sein stehen und reitenauch nur einmahl abborgen wird, und der trägereDeutsche trägt kein Bedenken, ihm sein debutiren,sich piquiren, frappiren, Sujet und taufend ähn-liche Ausdrücke nachzusprechen, bloß um ein PaarSylben zu ersparen.

Eben das gilt auch von Provinzial-Wörtern.Der Begriff einer Mundart, die allgemeine Ver-ständlichkeit und der gute Geschmack erfordern gleichsehr, daß hier alle nur mögliche Strenge angewandtwerde. Der Begriff einer Mundart, weil sonstdas Hochdeutsche keine eigene von andern unterschie-dene Mundart seyn würde, wenn sie den Eigenhei-ten aller übrigen offen stehen könnte; die allge-meine