meine Verständlichkeit, das erste Grundgesetz inallen Sprachen, weil ein Provinzial-Wort nie all-gemein verstandlich seyn würde; der gute Ge-schmack endlich, der in allen seinen Producten einanalogisches und übereinstimmiges Ganzes erfordert,eine Eigenheit der einen Mundart aber mit den Ei-genheiten der andern nicht übereinstimmend seynkann, weil sonst beyde aufhören würden, verschiede-ne Mundarten zu seyn. Der gute Geschmack hatdie Hochdeutsche Mundart aus allen übrigen herausgehoben, und muß sie daher auch vor derVermi»schung mit denselben bewahren. Ein Provinzial-Wort bleibt im Hochdeutschen allemahl ein Flecken>und wenn es auch Meißnisch seyn sollte, wie es hacgeschnien, der Rranke kalmer, rreuge, für tro-cken, Gellerts sich klagen, sie sehen krank; einWink für die Herren, welche das Hochdeutsche sogern für einen bloß Meißnischen Dialect erklarenmöchten. Man bedenke doch nur, daß der Verfallder schönen Römischen Litteratur sich gerade Zu derZeit anfing, da man kein Bedenken mehr trug,niedrige Ausdrücke und Provinzial-Wörter in dieSchriftsprache aufzunehmen, anfänglich ohne Zwei-fel auch in der dem Scheine nach unschuldigen Ab-sicht, diese zu bereichern. Die vorgegebene Armuthder Sprache ist in den meisten Fallen ein Vorwandseichter Köpfe, wenn sie in der Hochdeutschen Mund-art nicht den nöthigen Vorrath von Ausdrücken fin-den, ihre verworrenen und dunklen Begriffe auf eineeben so verworrene und unbestimmte Art an denTag zu bringen. Man bringe seinen Gedankenzur Deutlichkeit, und lerne erst den Reichthum sei-ner Sprache keimen, so wird es nicht an Ausdrü-cken fehlen. Molf kleidete die Philosophie in dieDeutsche Tracht, und zwar zu einer Zeit, da die
F 5 Sprache