Sprache an nichts weniger als an den philosophi-schen Gang gewöhnet war. Und doch klagte er nieüber ihre Armuth, sondern fand in ihren. InnernHtilfsmtttel genug, den ganzen Reichthum neuerBegriffe auszudrucken, womit er die Wissenschaftenbereicherte, ohne weder von Fremden noch von denProvinzen zu borgen. Aber freylich, er gewöhntesich, jeden Begriff zur Deutlichkeit zu bringen, unddas ist nun freylich nicht die Sache unserer heuti-gen Mode - Scribenten. Und was haben wir dennseit seiner Zeit für viele und wichtige Erfindungenin den Wissenschaften und Künsten gemacht, daß dieSprache für den Reichthum schon zu enge wäre?
Die höhere Schreibart hat zwar das Recht, stattalltäglicher Aufdrücke und Wendungen, von der voll-tönigen und prächtigen Oberdeutschen Sprache zuborgen, aber das ist keine Provinzial-Sprache, son-dern die ehemahlige allgemeine Schriftsprache, derenstolzer Gang für die gesellige Sprache des Umgangszu feyerlich ist, aber für den höhern Ausdruck nochmanche ungenützte Schätze hat, sollten sie ihrenWerth auch nur dem so lange unterlassenen Gebrau-che zu danken haben, der ihnen den Reitz der Neu-heit mittheilet.
Ich würde hier vor allen Dingen die oben schongedachte Einladungsfchrift des Herrn ProreetorGesdicke Über Purismus und Sprachbereicherungempfehlen, wenn nicht daselbst dem Befugnisse, ausden Mundarten und fremden Sprachen zu entleh-nen, die Gränzen ein wenig weiter wären ausge-stecket worden, als das Beßte der Sprache eö ver-stattet.
IV. Deut,