IV. Deutsche Sprachlehre. 95
wieder ein anderes Mahl durch e, und in andernFallen gar nicht ausgedruckt haben. Allein so folg-ten sie bloß der dunkeln Empfindung des iaureö,und druckten die Mehrheit bald auf diese, bald aufjene Art aus, je nachdem sie glaubten, daß ihr Lautin der Bewegung dieser oder jenen Sylbe am näch-sten komme, oder doch am nächsten kommen könne.Daher scheint uns jetzt bey deutlichern Begriffen inden Sprachen so vieles willkührlich, was es dochnicht ist, und wir vermissen jetzt da Ähnlichkeit, wosie ursprünglich wirklich war.
Da die dunkele Empfindung der Ähnlichkeit beyweiterer Cultur der Sprache immer mehr erlöschenmußte, je mehr sie sich von ihrer ersten Stütze ent-fernte, so ward auch die Beobachtung derselben inmanchen Fällen ungewiß, besonders da, wo manden Gebrauch nicht immer im frischen Andenkenhatte. Ein Wort ward z. B. nur selten gebraucht,vielleicht noch seltener im Plural; es kommen Fällevor, wo es doch nothwendig war; die dunkele Em-pfindung des eigenthümlichen iautes war erloschen,oder es war ungewiß, welches der wahre seyn konn-te. Man wählte also unter den dunkel empfundenenÄhnlichkeiten die klarste, oder folgte in einem strei-tigeil Falle einer ganz andern Art von eben fo dunkelempfundenen Ähnlichkeit.
Aber es gibt auch Fälle, wo zwey verschiedeneArten von Ähnlichkeit in einem einigen Falle zu-sammen kommen, von welchen doch nur eine befol-get werden kann. Man hätte Z. B. nach dunklerEmpfindung die Regel gemacht, daß unbestimmteNahmen, welche Wesen vielerley Art unter sich be-griffen, Z.B. das Wort Ding, in der Mehrheitein e bekommen sollten, weil bleß der Laut der un-
bestimm-