Einleitung.
zeigen werde, alles in der Sprache auf Befolgungdunkel empfundener Ähnlichkeiten beruhet.
2. Aber die taufend Unrichtigkeiten und Un-gleichheiten verdienen doch wohl weggeschaffet zuwerden? Wenn man das alles Unrichtigkeitennennt. was nach jetzt verlohren gegangenen Ähnlich-keiten in den Sprachen gebildet worden , so ist dieZahl tausend noch viel zu klein. Man nehme nurdie beyden Falle, die Declination der Hauptwörterund ihr Geschlecht. Zu Einrichtung beyder hattendie Spracherfinder gewiß ihren guten Grund, obwir gleich jetzt in den wenigsten Fällen mehr etwasdavon wittern können, weil die dunkle Empfindungder Ähnlichkeit, welcher sie dabey folgten , verlohrengegangen ist. Beydes macht die Erlernung nichtnur der Deutschen, sondern fast aller Sprachen soschwer, und wenn man Erscheinungen, wovon wirjetzt keinen Grund mehr einsehen, nach deutlich er-kannten Ähnlichkeiten andern dürfte, so müßte manhier anfangen. Doch nicht bloß hier, sondern gleichbey der Bildung der Wörter, weil, dem Scheinenach, Zufall und Willkühr nirgends geschäftiger ge-wesen sind, als hier, wie aus dem folgenden zwey-ten Kapitel erhellen wird. Aber was würde derErfolg davon seyn? Da des ÄndernS und Bessernskein Ende, seyn würde, so müßte in kurzem eine gan-ze neue Sprache heraus kommen, worin das Volk,besten Sprache es seyn soll, sich und den ganzenGang seiner Vorstellungen völlig verkennen würde.Dieser Unbequemlichkeit, welche die Absicht undden Nutzen jeder Sprache aufheben würde, zuvorzu kommen, hat jedes Volk durch stillschweigendeEinwilligung das Gesetz gemacht, daß sein einstim-miger und allgemeiner Gebrauch die höchste Vor-schrift in seiner Sprache seyn soll, oder vielmehr,
dieses