IV. Deutsche Sprachlehre. !OZ
Wohlklingenden und Wohlanständigen in allenTheilen der Erkenntniß bringt, so wird er auchmanche Ungleichheiten und Abweichungen in derSprache nach und nach von selbst ablegen, wo esohne andere Nachtheile geschehen kann. Geradeso und aufkeine andere Art haben sich die SprachenAthens, Roms und Frankreichs verfeinert, und aufeben dieselbe Art hat sich die Deutsche von dem sechs,ten Jahrhunderte an gebildet. Aus eben dieser Ur-sache sucht die Hochdeutsche Mundart sich nach undnach immer mehr der irregulären Zeitwörter zu ent-ledigen, und sie nach dein Muster der regulären zu»bilden, ohne daß Sprachlehrer oder einzele Mitglie-der mit Vorbewußt dabey mitgewirkt hätten odernoch mitwirkten. Alles also, was einzele Gliederder Nation zur Verbesserung und Verfeinerung derSprache beytragen können, bestehet darin, daß sienach dem Maße ihrer Kräfte die Verbreitung derKenntniß und des wahren und richtigen Geschma-ckes zu befördern suchen; alles übrige hat von je hernicht allein seine Absicht verfehlet, sondern auch Ver-wirrung und Zerrüttung des Ganzen hervor ge-bracht. Will man ja einen Schritt weiter gehen,so kann man die Nation auf die Ungleichheiten auf-merksam machen, damit sie selbige, wenn der wahreZeitpunct des Geschmackes kommt, desto eher undleichter empfinde. Allein es müssen wahre Ungleich-heiten seyn, und zwar solche, mit welchen kein ander-weitiger Vortheil eingebüßet wird; die vorgeschla-genen Änderungen müssen keine willkührlichen oderselbst erdachten Vortheile, keine Convenienzen derEtymologie seyn, sie sey wahr oder eingebildet, weildiese bey Verfeinerung der Sprache am wenigsten inBetrachtung kommt, sondern allemahl am erstenaufgeopfert wird. Man vertauscht Doppellaute mit
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