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Einleitung.
paßt. Das Wort lebendig ist auf Zwiefache Artwider alle Analogie, theils, weil es den Ton aufder Ableitungssylbe end hat, theils, weil es ein voneinem Participio abgeleitetes Wort ist. Wolltenwir es um deswillen wegschaffen, womit wollten wirdessen Begriff ersetzen? Denn lebendig bedeutetdoch immer noch etwas anders als lebend. WennDeutschland nicht sehr schnell an Geschmack undWohlstand abnimmt, so ist dessen Sprache, undzunächst die Hochdeutsche Mundart, noch vielerGra-dc der Verfeinerung, selbst in der Aussprache, fähig.Zu einer Zeit, da wir solche Veränderungen sehrwahrscheinlich voraus sehen können, die Orthogra-phie mit Consonautcn überfüllen wollen, um alleSchattirungen in der Aussprache auszudrucken, oderden innern Bau der Sprache aufzuschließen, und da-her schtehen, schprechchen, schleichen, dreüzüg,VierzüI u. s. f. schreiben zu wollen, heißt den Gangder Cultur mit allen seinen Vortheilen und Nachthei-len verkennen, die Sprache im Äußern wieder umein Paar Jahrhunderte zurück setzen, und alles dasRauhe wieder in dieselbe einführen, dessen sie sichin dem Fortschritte ihrer Cultur entladen hat. Aberauf der andern Seite alles im Schreiben weglassenwollen, was man in der Aussprache nicht unmit-telbar zu hören glaubt, heißt, vieler andern Nach-theile vorjetzt nicht zu gedenken, der fortschreitendenCultur um ein Paar Jahrhunderte vorgreiffen, ihrden Weg vorschreiben, welchen sie gehen soll, dainan doch nicht weiß, welchen Weg sie gehen wirdund gehen kann, indem derselbe von tausend zufälli-gen Umständen abhängt.
4. Wenn eine Nation, oder wenigstens der ed-lere und höhere Theil derselben, es im Geschmackebis zur feinsten Empfindung des Regelmäßigen,
Wohl-