Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
252
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252 i.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter.

rvonniglichen, jämmerlichen, herzlichen und soferner; allein die Hochdeutsche Mundart hat sichdieses und andern Überflusses wieder entlediget, ver-muthlich aus einer dunkeln Empfindung, daß dieserMißbrauch die Sprache um einen der schätzbarstenÜberreste ihres Alterthumes bringen würde, der nochdazu den großen Vortheil hat, daß er die Stamm-sylbe jedes Wortes auf die bestimmteste Art be-zeichnet.

Dieser Grundsaß herrscht daher auch in der gan-zen Sprache so unumschränkt, daß sich nur wenigAusnahmen von demselben finden. Diese sind nur:

1. der eigenthümliche Nahme Gebauer und dasWort lebendig, doch nur nach der Hoch - und Ober-deutschen Aussprache, dagegen es in der Nieder-deutschen> und vielleicht noch einigen andern gemei-nen Mundarten richtiger lebeniF gesprochen wird.

2. Die abgeleiteten Wörter auf ey, ehedem ige,»je: Raserey, Tändelcy, Spielerey, Ninderey.Aber auch hier ist diese Aussprache nicht so allge-mein, daß man sie nicht ohne Bedenken sollte fürfehlerhaft erklären, und dafür Raserey, Tandeley,Gpielerey, Zxinderey zu sprechen, empfehlen kön-nen; da denn in der Verlängerung des Wortes dieSylbe ley einen halben Ton bekommen würde:Tandeleyen. z. Die vermittelst der ausländischenEndung iren gebildeten Zeitwörter: hanthiren,hasellren, stolziren. Allein, da diese Sylbe aus-ländisch ist, so macht sie nicht einmahl wahre Aus-nahmen.

Man kann daher allemahl den sichern Schlußmachen, daß jedes Wort, welches den Ton nichtauf der Stamm - oder Wurzelsylbe hat, nicht ein-heimisch, sondern fremden Ursprunges ist: Alko-ven,