Verbum. 9. Reciprocum. §.444.445. 875
den leidenden Gegenstand bezeichnet, stehen muß,wovon im Syntaxe geredet wird: ich kränke inich,wir haben uns gekränkt, weil sie sich kränk-ten, kränke dich nicht; so wie man sagt, lchkränke dich oder ihn, wir haben euch gekränkt,U?eil sie uns kränkten, kränke ihn nicht. Daß sieallemahl mit dem Hülfsworte haben verbunden wer-den, und, besonders was die eigentlichen Reciprocaim engsten Verstände betrifft, kein Passivum leiden,liegt schon in dein Begriffe und der Natur der Sa«che. Um des thatigen Begriffes willen, welchendie Reciproca allemahl haben, läßt sich ihr Partici-pium Prätcriti auch nicht concrescicren oder als einAdjectivum gebrauchen, weil es in dieser Gestaltnur eiue leidende oder höchstens eine neutrale Be-deutung haben kann, das Pronomen reclprocum aberallemahl eine thätige voraus setzt. Man sagt da-her nicht, der sich gekränkte Vacer, der sich ab-gemüßigte Arbeiter. S. §. 46z.
§. 445. Das Pronomen reciprocum ist allemahl Casus desder Casus des Verbi und zwar eines activen oderdoch als activ dargestellten Verbi . Da kein Ver- ^°bnm activum einen andern Casum als einen obli-cmum haben kann, so folget daraus auch, daß in demCasu recto kein Pronomen reciprocum möglich ist.S. §. Z45. Indessen sind die Casus des Prvnominisreciproci, mit welchen das Verbum unmittelbar ver-bunden wird, eigentlich nur der Accusativ lind Da-tiv, und zwar jener am häufigsten, dieser seltener:sich äußern, erbarmen, bescheiden, besinnen,bewerben, enthalten, entschließen, encschla-gen, erhohlen, schämen, unrerstchen, wider-setzen u. s. f. Und mit dem Dative: ich bildemir ein, getraue mir, maße mir an. Einigewenige werden mit beyden Endungen gefunden, mir
däucht.