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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
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Plane vor, nach welchen er gehen wollte. Diese Denkartnahm er überall zu seinem Wegweiser an, er mochte sichin seinem Staats-Privat - oder schriftstellerischen Lebenzeigen. Ueberall gieng er auf die ersten Triebfedern zurück,überdachte die Absichten, untersuchte die Mittel, und bc-urtheilte den Erfolg, der daraus entspringen würde, undden er nach seiner Einsicht so und so zu bestimmen glaubte.Weil sein Geist an diese Reflexionen gewohnt war, sobreitete sich auch ein gewisses, manchmal unerklarbaresDunkel in seine Schriften aus. Oft siehet er auch Dingeanders, und entdecket Absichten, die denjenigen, von wcl-chcn er bandelt, vielleicht ganz unbekannt gewesen, oderflls. Nebenabsichten betrachtet worden sind. Die Geschichtedes Tiberius, und in gewisser Maaße auch die Geschichteder Deutschen, liefert überzeugende Beweise davon. Unterseiner Feder erhielten die Begebenheiten, wenn sie auchvon Andern schon vorgestellet waren, ganz neue Beweg-gründe, andere Wirkungen; und Tugend und Laster andereAussichten. Wer anders von ihm denkt, der verkennetden Charakter dieses großen Mannes. Wenn nun Tacitus ein Buch über die Lage und Sitten der Deutschen schreibt,was veranlaßte ihn wohl dazu! Welche Absicht hatte erdabey? Sollte es wohl eine Satnre auf die Römer, eineBeschämung ihrer Sitten seyn? Diese Absicht haben cini-ge unserer jetzigen Gelehrten nicht nur deutlich verrathen,sondern auch sorgfaltig ausgebreitet.Tacitus, sagt man, welcher mit Verachtung die Sitten seiner Nation betrach«tcte, und mit Zittern die Gewalt der Tyrannen, unterwelchen er lebte, schrieb eine Geschichte der Deutschen, um seine Römer wenigstens durch eine Satyre zu strafen."Diesen Satz behauptet man nicht nur im Ernst, sondern

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