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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
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bricht: sie besaßen mehr Verstand und Gcschicklichkeit, alsman von einer deutschen Nation gewohnt wäre. Kap. 30.Ein Schrislstellcr, der die Eigenliebe für sein Vaterlandso bloß giebt, daß er nicht mehr als prüfender Philosoph,sondern als ein verblendeter?Nationalgeschichtschreiber mscheint, sollte der von den Deutschen Materie zu einerSatyre für die Römer, und Beyspiele zur Tugend für siehernehmen? Ich wiederhole es; weichen Begriff mußteer sich von den Römern, den Deutschen und der Satyremachen? Ein einziger hervorstechender schöner Zug in ei-nein sonst noch guten Gemählde, berechtiget den, der bey-des genau nach Gründen zu bestimmen weiß, noch nicht,das Ganze für schön zu halten, und ein Philosoph mußdas ganze Verhältniß der Dinge unter sich, und mit an-dern betrachten, wenn er Bewegungsgründe zur Tugendvon dem einen für den andern hernehmen will. Wer würdefür die Verderbniß der heutigen Sitten, Muster zur Besse« rung, von einigen besser lebenden Wilden uns vorhaltenwollen? Und thäte er es, wer würde ihn in dieser Ab-ficht lesen? Aber daß ein wildes Volk oft glücklicher ist,wenn es in Freyheit lebt, wenig Bedürfnisse fühlet, unddaher reich an Tugenden ist, aber auch seine Lasten hat,und wenn man das beschreibt, eine sehr unterhaltendeLectüre seyn könne, besonders wenn es sich noch ausserdemdurch eigene Thaten merkwürdig gemacht hat; wenn dieß ist,so ist die Beschreibung eines solchen Volks eine angenehmeBeschäftigung eines Philosophen, und sie muß jedem will«kommen seyn. Aber die Absicht des Verfassers hierbey?Ja! die ist so wenig Satyre für seine Landsleute, als ersich selbst entehren würde, wenn er sie zur Satyre derMenschheit machen wollte.

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