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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
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Schränkt man den Satz von der Absicht der Satyr«noch enger ein, und versteht ihn von den bürgerlichen undhäuslichen Sitten der Deutschen ; so wird er dadurch auchnoch nicht befestiget. Die bürgerlichen Tugenden der altenDeutschen waren weit entfernt, daß sie ausgebildeten Na-tionen zum Beyspiel vorgestellt werden konnten, daß sievielmehr von eben denselben mit den schwärzesten Farbenabgemahlt, und ganz im Schatten gesetzt sind. Tacitus hat seinen Römerzug hiebcy nicht vergessen.Die Deut-schen schlafen bis an den hellen Mittag, schreibt er, undwenn sie gegessen haben, so gehen sie an ihre Arbeit,und hernach zum Biere. Sie machen sich keine Schande daraus, Tag und Nacht mit Saufen hinzubringen, und wenn sie voll sind, so fangen sie Handel an, und schla«gen sich dcrmassen herum, daß dieser auf der Stelle todt bleibt, und jener blutrünstig nach Hause geht." Kap. 22.Tacitus, der damals nichts so sehr wünschte, als die Deut«schen von der Erde vertilgt zu sehen, und der sich gefreuthaben würde, wenn sie alle nur einen Kopf gehabt hatten,damit die Römer ihn mit einen Streich abschlagen könn,ten, siehet dies Laster, der Trunkenheit, als den bestenKunstgriff an, statt der Waffen, denn dies sey schwer, sielieber mit Wein oder Bier zu bekriegen, und in diesemTaumel sie alle todt zu schlagen, und so über sie zu sie,gen. 1. c

Wahrlich! eine heroische That für die Weltbezwinger,die Römer; ein trefflicher Zug in dem satyrischen Gemahl--de des Tacitus für die Römer. Aber was siehet man nichtalles! Er fahret fort:Nicht viel besser gehet es aufihren Landtagsversammlungcn zu. Eben die Vollheit,

die