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ein so alter und versuchter braver Officier, daß es dem itzigenDeutschland wahre Schande macht, ihm in unsern Kriegenkein Commando mehr anzuvertrauen, seine treugeleistetenDienste ganzlich zu verkennen, und ihn nicht einmal zuunsern Friedensschlüssen mehr zuzulassen. Ist je eine Tu«gend gewesen, die von einem Volke gerühmt worden, soist es die Treue, Aufrichtigkeit und Redlichkeit der altenDeutschen. Ohne Formalitäten, darin heut zu Tage dieeigentlichste Verbindungskraft gesetzt wird, mit einem bloftscn Handschlag, sich einander die wichtigsten Dinge ver»sichern, und mit einem gesetzten Ernste und angcborncrStrenge die Zusagen treu und unverbrüchlich halten, dieswar vor allen damaligen Völkern des ganzen Erdbodensnur allein das Erblhcil und Eigenthum der Deutschen. Wie groß 'erscheinen hier nicht unsere Vorfahren! Undwie klein und unbedeutend sind gegen sie, die damals inder Falschheit, Tundbrüchigkcit, und in der Kunst derVerstellung graugewordenen Römer! In keinem Weitabter hat die Vcrstcllungskunst, das unglückliche Loos heim-tückischer Seelen, mehr geherrschet, und eine Höhe et*reicht, als in dem Zeitraum der ersten zwölf römischenKaiser. Sie war den Bürgern Roms so natürlich gcwor,den, daß fast niemand dem andern mehr trauetc, und jedermit Lebensgefahr seine Tage in Qual zubrachte? Tacitus nennt diesen Zustand bürgerliche Uneinigkeit, im Grundeaber war es Bosheit, Tyrannen und Falschheit. DieRömer hatten ihren verderbten Zustand nicht besser aufhcl-fcn können, als durch Beylcgung ihrer bürgerlichen Feh-den, durch freundschaftliche Versöhnungen, und durch dieAufnahme der deutschen Redlichkeit und Treue. Wie ver-halt sich mm Tacitus bey einer für das Leben der Men«
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