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schuldig war, dem Kaiser die Proben seiner Aufmerksam-keit öffentlich an den Tag zu legen.
Ich gebe z«/ daß die Granzlinien dieser beyden Ab-sichten so nahe zusammen fliesscn, daß man ihren cigcntli-chen Unterschied zu bemerken kaum im Stande sey. Alleinmich dünkt doch, daß die Entschcidungsgründe für jeneHauptabsicht starker, und in mehrerer Anzahl vorhandensind, als für diese, die Nebenabsicht, und folglich habe ichjene erwählen müssen. Nun nehme man das Buch selbstzur Hand, so wird man augenscheinlich finden, daß dievon mir angegebene Absicht die rechte und wahre sey, unddie bisher bestriltene nicht einmal genannt zu werden ver-diene. Und wer nun hieraus von dem rechten Werth undUnwcrth der tacitischcn Nachrichten, von ihrem eigentlichenund wahren Gesichtspunct, verhaltnißmaßige Begriffe sichnicht bilden kann, für den ist das Buch selbst nicht ge-schrieben.
Es ist Zeit, daß ich meine Satze erweise. Der Na-tionalgcist, die wirkende Macht der Vaterlandsliebe, kannsich bey einem Historiker nicht starker verrathen, als unserRömer Tacitus sie gcaussert hat. Unter dem zweyte!» Con-sulat des Trajans , im Jahr 98. nach Christi Geburt , fielin Deutschland eine Begebenheit vor, die den Deutschen nicht sonderlich zum Ruhme gereicht. Trajan hatte sie durchGüte und Gelindigkeit von ihren alten Streifercyen, Ein-brüchen und Plünderungen in die römischen Gebiethe, zu-rück zu halten gewußt. Da ihr kriegerischer Geist nunmehrkeine Nahrung und Beschäftigung mit auswärtigen Fein«den vor sich fand, kehrten sie das Schwerdt wider sichselbst. Die Bructerer, schreibt Tacitus Kap. 33, wurden
von