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übrigen Nachrichten von den Völkerschaften Deutschlandcs,den Glauben entziehen zu wollen. Was wußte Tacitus voneinem Moses ? Die Römer nahmen wohl den Juden ihreLande weg, aber die Schriften ihrer Lehrer liessen sie gerneim Frieden. Es ist immer genug, daß wir aus diesem Ur-theile des TacituS abnehmen können, was ein sich selbst,und seiner Natur und Vernunftkraften überlassener Philo-soph, und sonst so würdiger Schriftsteller, von Dingen die-ser Welt, ihren Veränderungen und Begebenheiten gedachthabe. Unsere Vorfahren wußten lieber gar nichts davon.Sie kannten kaum ihren eigenen Himmel. Sie wußten nurvon zwey Haupt-Iahreszeiten, dem Winter und dem Som-mer. Ueber die verborgenen Schatze ihrer Erde giengen sieunbekümmert weg. Ihr Gott Tuisto , und dessen SohnMannus sind Sagen, die sie mit den übrigen Völkern gemeinhaben, und wir würden heutiges Tages vielleicht nicht vielvernünftiger philosophircn, wenn das erste Buch in demMose fehlte, oder niemals da gewesen wäre. Man weiß ja,was für Ungeheuer des Alterthums die Egypter und Baby--lonier vormals so frühzeitig schon ausgebrütet haben, diedoch den Zeiten weit naher waren, als unsere Vorfahren.So überwiegend schatzbar uns also das erste Buch MosiSseyn muß, um so ungerechter ist der Tadel gegen dasselbe,und noch ungerechter, wenn man es dem Tacitus zum Ver-drechm machen will, daß er es nicht gelesen habe. Freun-de der Wahrheit und der guten Sitten! wenn ihr über denMoses Philosophiren wollt, so setzt euch erst in die Zeitenhinein, darin er lebte, und personificirt euch ganz in ihmselbst, alsdenn schreibt, was ihr wollet! Auf Boas Weibkomwts hier nicht an.
Die