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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
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des Vaterlandes aufgeopferten Lebens, in jene Welt zuseinen Urvätern, dem Tuisto und Mann, htnübevschlunvwerte.

Die Mutter sorgte für die Auferziehung der Töchter,doch unter der Aufsicht des Vaters. Im Grunde war siemit der Aufcrzichung der Söhne einerley. Die Liebe zurFreyheit und Tapferkeit war die erste Lehre, die sie ihneneinprägte. So weit es ihr Beruf war, und beyde Tilgen*den sich für ihr Geschlecht schickten, mußten sie an demPlan des Ganzen mit arbeiten helfen. Uin ncrvigte undstarke Kinder hervorzubringen, die den Ruhm der deut-schen Tapferkeit entsprachen, war die Arbeit, und die Ent-haltsamkeit von einer zu frühen männlichen Umarmung,die erste Pflicht ihres jungfräulichen Standes. Es wareine Schande, vor dem zwanzigsten Jahre mit einem Frauen-zimmer Umgang zu haben. Die Stunden des weiblichenMüßiggangs wurden mit allen Arten von beschwerlichenArbeiten verkürzt. Sie mußten den Acker pflügen, daSVieh treiben, füttern und melken. In dem Zirkel ihrerMütter eingeschlossen, sahen sie, wie diese lebten, undwie sie künftig zu leben hatten. Ohne Echmuk und pracht-vollen Reiz einer künstlich gemachten Kleidung, giengen siehalb nackend in der Gesellschaft des Viehes herum. Tratein Krieg ein, so führten sie den Vätern und Brüdern denLebensunterhalt, und die übrigen Nothwendigkeiten zu,und diese Lebensart dauerte so lange, bis ein junger Freyerkam, der entweder von ihrer Schönheit gefesselt, oder vondem Reichthum angelockt, oder voit ihrer Starke bezaubcrr,sie aus dem mütterlichen Schooße abforderte, ihr diePflichten einer neuen Ehefrau vorhielt, nach erhaltenenJawort ihr die Geschenke gab, und sich mit ihr copulirte.

Und