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die so zusammen gekettete Treue (septa pudicitia) gegen ihnohne Ausnahme bewahren wollte? Versprach sie, diesePuncte unverbrüchlich zn halten, so wurde sie so fort dieGefährtin ftineö Lebens. Ich folgere hieraus zwei) Stücke.Einmahl, war der Mann der oberste Richter über dieSitten seiner Frau. Ohne sich, im Fall ihrer Untreue,deshalb vor die Landtagsvcrsammlungcn zu stellen, unddie Sache nach den Gründen dcS römischen Rechts , da»selbst entscheiden zu lassen, entschied er sie nach dem Rechtedes ContractS , im Beyseyn ihrer Anverwandten selbst.Hernach bestand das Wesentliche der verletzten Treue ineinem wirklich geschehenen Ehebruch, und dieses auf Sei-ten der Frau. Tacitus wenigstens, thut nicht die geringsteMeldung von dem bestraften Ehebruch eines Mannes.Der alte Deutsche mußte also die Verletzung der ehelichenTreue, blos von der Frau geschehen zn können, glauben,und dieses, wie mich dünkt, aus folgenden Gründen. Siekonnte, nach ihrer gethanen Versicherung, die Heyraths-geschenke in einem solchen Fall, ihren Kindern nicht un-verletzt übergeben; eine Kränkung der Ehre und Freyheit,die über alle Leiden gieng! Der Mann konnte nicht mu»thig in den Krieg ziehen, und sein Leben zum Besten desVaterlands, und für seinen eigenen Heerd hingeben, weilder wechselseitige Bezug unter beyden wegfiel, der denMuth des Kriegers entflammte. Und endlich konnte selbstdie Frau die Wundeil des Mannes nicht mit Inbrunstheilen, saubern und verbinden, wenn sie mehr als einenhatte, dem sie sich mittheilte. Ihre etwanige Thränenüber die Striemen ihres verwundeten Mannes, warenvon der Verstellung geborgt, und flössen ohne Rcchtschaftftnhcit des Herzens.
Die