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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
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digkeit eines sanftcrn Lebens, wirkten nichts auf ihre»»Geist. Das innere Gericht des Gewissens kannten sienicht, hörten es nicht, und appellirtcn auch nicht darauf.Eie fürchteten weder die Hölle, noch ließen sie sich durchversprechende Belohnungen des Himmels zur Tugend reizen.Das liebenswürdige Gefallen der Tugend war für ihreeisenfeste Brust nicht gemacht. Sie folgten der Natur undihren Gesetzen, und verlangten solche Pflichten der Sitt-^ichkeit, die ihnen der darnach eingerichtete Zustand an dieHai:d gab. Die Ehe mußte frey seyn, oder die HartestenStrafen gewärtigen.

Die Tugend der Keuschheit im ledigen Stande soll denzweyten Platz einnehmen. Rein bewahrt, ist sie eine lautereQuell- von vielen andern Tugenden. Sie ergießt sich überdas ganze Leben, und ihre Früchte grünen vornehmlichdann erst, wann der Abglanz in dem Eden eines unbcfleck-ten Ehestandes auf die Äbkominen übergeht. Sie ist dieKrone des jugendlichen Alters, von Roscn und Lilien ge,flochten, und von der Vorsicht der Ehrbarkeit, der Be--schcidenheit und des Wohlstandes beschützt. Schwerlichaber wuchs diese gefällige Blnnie in dem heutigen Glänze,fliif dem rauhen Boden unserer Vorfahren. Sie erfordert^eine ganz andere -Pflege, mildere Begiessungcn, und mehrSorgfalt, als man von ihren Zeiten erwarten konnte..Sie war da, aber rauh, von einer wilden Art, und da-mit ichs kurz sage, sie war mechanisch. Nun überdenkeman den ganM Auferziehungsplan, den unsere Vorsah-ren bey ihrer.Rinderzucht sich entworfen hatten. War erwohl für die Bildung d«s Herzens durch Tugend und Re-W« gcimcht? (fei er nicht ganz auf die Leibcsstarke,

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