Druckschrift 
C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

t> ~ 3 <^g>p=» 89

zu keiner zweyten Ehe entschliesscn. Denn Ein Leib mitmehreren, auch gesetzmäßigen, sey, wie sie glaubten, im*mer eine Unkeuschhcit.

Nichts aber ist dieser Tugend gefährlicher, als derTrunk und die Vollere». Weil unsere Vorfahren diese»Fehler in seiner größten Stärke an sich hatten, sosollte man glauben, die Tugend der Keuschheit sey unterihnen nicht so groß gewesen, als sie beschrieben wird.Hcuter glaubt wenigstens, ihr wichtige Bcdcnklichkcitenentgegen setzen zu können.Sollten die Deutschen zu Tacitus Feiten, schreibt er, die von der christlichen Re,ligion cben so weit, als von der Menschheit entferntwaren, von aller frühzeitigen Vermischung frey geblie- den, und die Jünglinge und Mädchen so keusch gewesenseyn, daß sie sich niemals vor der Hcyrath vermischten?Nichts ist lächerlicher, als so was von einem freyen Volke zu gedenken, das weder vor der Hölle zitterte, noch die Götter des -pimraeis kannte. Nichts ungereim,-ter, als zu behaupten, daß solche gesunde und starke Leiber, die durch keinen Wem gcschirächt und ausgezehrt, vielmehr durch die Jagd und andere schwere Arbeitenunaufhörlich geübt wurden, von allen venerischen Scw chm frey, hingegen darb und saftvoll waren, sich nichtausser der Heyrath zusämmcngcthmi, und .Binder ohneEhe erzeugt hätten l Der dies glaubt, muß sie fürSteine und keine Menschen halten, u. s. w." Ich gebez«, daß es in diesem Stück eben sowohl Fälle gab, die,von der beschriebenen Keuschheit abweichen, als selbst dieEhen nicht durchgängig von Verletzungen der angelodtei;Treue frey blieben. Aber diese Ausnahmen schaden dem

f 5 Ganzea