Druckschrift 
C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
100
Einzelbild herunterladen
 

iOö > V »-3 <8i&6>e=3»^

Ich rede mm einiges von den vornehmsten Gotthci-ten, welche die deutschen und nordischen Völker gemein-schaftlich verehrten.

Die Götter der Deutschen und Nordländer warenZum Theil wahrscheinlich ehemalige Helden dieser Natio-Den. Es hatten diese Nationen mit denen Sinter den altenVölkern, welche einen andern Zustand nach diesem Lebensnnahmen, dieses gemein, daß sie glaubten, dieienigen,welche im Leben Wolthatcr ihres Volks gewesen waren,tvürden dasselbe auch nach dein Tod beschützen, und seinGlück zu befördern suchen 6). So vergötterte Athen sei»ncn Theseus, Rom seinen Romulus; so betrachtete iedeStadt ihren Stifter, oder Erweiteret, als eine National«gotthcit. Einige andere Gottheiten unsrer Urvater, undderen Mythen, mögen auch ihre Entstehung andern llrsa*chen zu danken haben. So wie »Änlich ein großer Theilder ältesten griechischen Mythologie aus der Natur undderen Würkungen erklart werden muß, so finden sich viel«leicht in der nordischen Fabellehre und Göttergcschichte nichtwenige Mythen, welche auf eine ähnliche Weise gedeutetwerden müssen.

Der erste Gott der Nordlander war Thor. Dieserwar bey ihnen größer als rvodan, den sie gleichfalls ver»«hrtcn. Wenigstens geben ihm alle normannische und eng»lische Schriftsteller, welche der Religion der alten Nord»landcr gedenken, den ersten Rang. Mit ihnen stimmen diealten Denkmale überein. Adam von Bremen fand in dem

alten

6) Adam Bremenfis de situ Daniae pag. 15z, ed. Maderi: ColüncDeos ex hominibus facto*, <JUQS pro ingentibus factij im*inortalitate donant,