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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
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102
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So groß das Ansehen des Tbors bey den Nordlan-dern war, so groß war die Ehrfurcht der Deutschen gegenden U?odan, welchen sie als den Stifter ihrer Nation ver-ehrten 9 Von seinen Verdiensten, durch die er sich gött-liche Ehre erworben hatte, sagt Snorro:er kam aus denentferntesten Gegenden Asiens nach Norden , stiftete Reiche,wurde Gesetzgeber und Verbesserer der Religion. Er warHeld in der Schlacht, sanft und gelinde im Friede, lehrtedie Menschen Künste, Poesie, und die magischen Wissen«schaftcn. Dafür wurde er in seinem Leben sehr geehrt, undnach seinem Tod unter die Götter gesetzt/' So weit Snor^ro lo.) Sein Ansehen war so groß, daß es nicht selten denLehrern des Christenthums unübersteigliche Hindernisse inden Weg legte. So schreiben, dieienisen, welche in Schwa«den und andern Deutschen Landern, die christliche Reiigionkehren wollten. Noch im achtenIa!>rbundert, da schon ei!» gros»ser Theil des südlichen Deutschlands seine alte Religion ver«lassen hatte, konnte man dt nWodansdienst nicht abschaffen 11).Es ist freylich wahr, die meisten Lehrer des Christenthums,welche nach Deutschland kamen, waren zu nichts weniger ge-schickt, als zu dem Amt, das ihnen aufgetragen war, We-nige hatten die dazu nothigen Kenntnisse der Enten derDeullchen, und noch wenigere bemühten sich, durch Glimpfund sanftes Betragen, die Gemüther derer zu gewinnen, wcl-. che sie zur Annchmung einer neuen Religion vermögen reott*tm. Ohne alle Vorbereitung befahlen sie ihnen nur, ihrer

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9) Mniray, Antiqq. Scpteint. et Britann. atqne Hiberniae interso cornnarat. in Nov. Comrnentar. Soc. Götting. T. II, P. II,P- 105.

10) Ynglinga Saga c.z10.

11) Paulus Diaconus de gestis Longobard, c. IX,