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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
Entstehung
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113
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Einleitung.

anzudeuten, daß i» unserm Urtheilen etwas WillkuHivliches sey, indem wir etwas für wahr halten, weilwir es für wahr halten wollen. Cs fragt sich dem,nach hier: Ob das Wollen einen Einflußauf unsre Urtheile habe?

Unmittelbar hat der Wille keinen Einfluß auf dasFürwahrhalten >- dieß wäre auch sehr ungereimt. Wenncs heißt: Wir'glauben gern, was wir wün-schen, so bedeutet das nur unsre gutartigenWünsche, z. B. die des Vaters von seinen Kindern.Hatte der Wille einen unmittelbaren Einfluß auf unsreUeberzeugung von dem, was wir wünschen: so wür-den wir uns beständig Chimären von einem glücklichenZustande machen und sie sodann auch immer für wahrhalten. Der Wille kann aber nicht wider überzeu-gende Beweise von Wahrheiten streiten, die seinenWünschen und Neigungen zuwider sind.

So fern aber der Wille den Verstand entwederzur Nachforschung einer Wahrheit antreibt oder davonabhält, muß man ihm einen Einfluß auf den Ge-brauch des Verstandes und mithin auch mittel-bar auf die Ueberzeugung selbst zu^dstchen, da diese sosehr von dem Gebrauche des Verstandes abhangt.

Was aber insbesondre die Aufschiebung odevZurückhaltung unsers Urtheils betrifft: so besiehtdieselbe iu dem Vorsatze, ein bloß vorläufiges Ur-theil nicht zu einem bestimmenden werden zu lassen.

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