5! Das 2. H. von der Frosten
der Verstand Rc?nig wäre; der Wille abernichts anders als ein Diener, der nichts andersthut, als dasjenige hohlen kan, was ihm derKönig gewiesen.
58. Und thut nichts zur Sache, daß wir gleich-wohl bey uns selbst empfinden, daß wir dasje-nige öfters nicht wollen, was wir dochbegreiffen und verstehen, daß es gut sey,sondern vielmehr mit unserm Willen, und demdavon äepenäirenden Thun und Lassen diesemVerstand zu wieder lebm. Denn wenn wir dieSache genau überlegen wollen, werden wir be.»finden, daß nicht so wohl der Wille dem Verstän-de , als LViüe und Verstand zusammen demvorhergehenden Willen und Verstand zu-wider sind. Ein seinen Begierden unterworssenerMensch hat ja etliche ruhige Augenblicke, darin-nen er das wahrhaftige Gut erkennen kan, undin denenselben Augenblicken ist auch der Willebereit darnach zu sterben. Dieweil aber die Be-gierden alsbald wieder die Oberhand erhalten, sowahret der vorige Wille auch nur einen Augen-blick, aber es verändert sich auch mit dem Wille»so fort der Verstand, daß der Mensch zur Zeit,da er nach dem Antriebe seiner Begierden seinThun und Lassen einrichtet, auch nothwendig dieSache, wornach er strebet, vor das grvste Guthalten, und die vorigen vernünftigen Gedanckenändern muß; welches ein jeder Mensch be» sichselbsten nur abnehmen kan.
57.W0