GIückseeligkeitdesMenschen. 8?
setbsten sage, daß man keine Begierde z»etwas haben Lc»nne, was man nicht wisse.Weil nun alle Wissenschaft dem Verstände desMenschen alleine, nicht aber, wie man träumet ,auch denen dem Verstände entgegen gesetztenSinnligkeiten zuzuschreiben ist, so würde gewißder menschliche Verstand es sich selber zuzuschrei-ben haben, wenn er von der sinnlichen Begierdeangefeindet würde, weil diese Anfeindung noth-wendig von der von dem Verstände erhaltenen Er-käntniß herrühren würde: Andere Unförmligkei,ten, die aus dieser 2bluräeil Meynung herfliessen,anjetzo zu gefchweigen.
55. Wir wissen vielmehr, daß der Verstand'des Menschen und sein Wille sietswehsrend mit einander vereiniget seyn, und daßdie menschliche Seele ausser diesen zweyen Kräf-ten keine ^dritte habe, fondern daß die insge-mein so genandte sinnliche Begierde nichts an-ders als der verderbte Verstand und Willen desMenschen sey. Wir wollen uns nur hierzu ihrereigenen gemeinen Lehren bedienen. Man sagt,der Wille trachte allezeit nothwendig nach demGuten, und der Verstand urtheile von dem Gu-ten, und also kan es nicht fehlen, es kan kein Willeohne Verstand, noch der Verstand ohne Willenseyn; ja es sey so gar unförmlich, wenn man sa-ge, der'Wille sey dem Verstände zuwieder, undbeherrsche ihn, daß vielmehr, wenn wir ja« in die-ser Lehre das besagte Gleichniß brauchen wollen,
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