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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
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ßo Das 2. H. von der großen

/-^^»-enden ausserlichen Thaten des MeNi-schen können das höchste Gut seyn, weil sie nachdemselben trachten, und dadurch anzeigen, daßes m ihnen nicht bestehe.

?z. Daß man aber insgemein das gröste Gutin dem Thun des menschlichen Willens gesucht,ist daher einstanden, daß, wie man bey denen Gü-tern des Leibes diefclbigen betrachtet, als wennsie würcklich köntcn von einander gesondert wersden, also auch bey denen Gütern der Seelen die-se irrige Meinung geheget, als ob der Verstandohne dem Mitten se^n Lonre, und der Willevhne Verstand' woraus hernach die schöne Fa-bel entstanden, daß man in der Lehre von dem Ur-sprung und Fortsetzung des menschlichen Thun undLassens, den Willen als einen König, den Ver-stand aber als einen Rath vorgestellet, der einen-andern feindseeligen Rath, nemlich die sinnlicheBegierde, an der Seile hätte, welche beyde einan-der iu wider waren, und den guten Herrn König ,gleichsam bey dem Ermel von einer Seiten zu devandern zerrelen, biß endlich einer von beyden dieOderhand behielte»

54. Gleichwie aber die gelehrten Leute, die sichdieses Possm-Spiels in Unterweisung der Kuäi-senden Jugend bedienen, halten bedcncken sollen,daß die sinnliche Begierde ein ungeschliffe-ner Zwitter sey, den i!)^ Gehirne aus Vermi-schung des Verstandes und Willens gemacht;Klss hätten sie sich auch erinnern sollen, daß sie