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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
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Glückleettgkeit des Menschett. 7?

erheben. Beyde haben ein unerschöpfliches Meerunzehliger Wahrheiten, die der Mensch nichtauslernen kan, wenn er gleich noch so all würde.Beyde treiben den Mennschen, wenn er einmahlhinein gerathen, zu einer solchen unruhigen Be-gierde an immer was neues zu erfinden, daß er sei-ner selbst und aller seiner andern^ auch der grösse-ren Güter darüber vergißt; daß wir dannenhewallbereit anderswo die Belustigung, die einMensch in Erforschung solcher Sachen empfindet,mit dem Vergnügen eines durstig gewesener»Menschen verglichen, der ein liebliches Getrau-cke getnmcken, welches aber den Durst nicht stilletsondern denselben noch starcker zu erwecken vermö-gend ist.

51. Du magst aber diese Betrachtung wohlbey dir reiflich überlegen, weil etliche gelehrteLeute, die von diesen sonst Lob-würdigen Wissen-schaften truncken gemacht sind, aus ?asswn ge-gen dieselben, sie allzusehr erheben, und die Er-findung dergleichen neuen Wahrheitenfür das graste Gut auszugeben, sich unter-stehen.

52. Wir haben den Willen des Menschennoch übrig. Durch oieseu muß der Mensch demerkandten Guten nachjagen, und dasselbige auchergreiffen, und folglich ist er dem Guttu zwarnaher als der Verstand; Aber doch weder er-selbst, als der semerNatur nach eitel ist und nachbojeu Dingen trachtet; noch die von ihm her