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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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so einträgliche Kunst, welche so geschwind dascll'st bekanntgeworden, auch wiederum so geschwind ins Stecken ge-rathen wäre? Und dieses ist denn auch wohl die vornehmesie Ursache, warum man unser Fabelbuch lieber für einevon jenen Vorspielungen der Druckercy, als für einwirklich gedrucktes Werk halten wollen. Zn wie weit a-bcr der Augenschein diese Vermuthung begünstige, willich hier nicht untersuchen. Genug daß, wenn er auchgänzlich darwidcr wäre, und man noch so offenbare Merk-mahle gegossener Buchstaben fände, wo andere nichts alsgeschnittene Tafeln zu erkennen geglaubt, man darumdoch noch keinen Grund hat, die ganze Unterschrift inZweifel zu ziehen. Anfangs zwar scheinet selbst der HerrV0N Heitteke hierzu nicht ungeneigt gewesen zu seyn;«nd wenigstens wollte er ein Mißverstandniß dabey arg-wohnen. Denn er sägt in seinen Nachrichten, ,» lassesich nicht behaupten, daß unser Fabelbuch wirklich 1461zu Bamberg gedruckt worden; es stehe blos da, essey in diesem Jahre daselbst geender worden, welcheszzvon der Verfertigung des Buchs eigentlich gelte.,, Nunweiß ich wohl, daß einige Data alter Abdrücke auf dieseWeise zu verstehen sind: und aus dem Worte Zeenderist freylich nichts für den Druck zn schliesset?. Doch ge-wiß auch nichts darrvider: und wenigstens müßte,wenn es ja nicht auf den Druck gehen sollte, sodann nichtdie Verfertigung des Buchs, sondern lediglich die Verfer-tigung der Abschrift des Buchs, welche der Drucker vorsich gehabt, damit gemeinct seyn. Denn das Buch selbst,die Fabeln selbst, sind ohnstreitig weit alter; welches soViele Handschriften auf die unwidcrsprechlichste Art bezeu-gen.