Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
191
Einzelbild herunterladen
 

. -------------- < lyi ) ' .

ein Aussatz, den man unter Neusers Papieren, nach sei-ner Euislichung, fand. Denn selbst wird er sich zuvvrwohl nichr breit bannt gemacht haben, da er seine Gesin-nungen so viele Ursache hatte, äusserst geheim zu halten,daß er sie nur, wie er zu Gerlachen sagte, Lrslio luv in-timc> anzuvertrauen wagen durste. Wenn aber diese sei-ne Worte in dem Gcrlachschen Tagebuche, (S. zz.)durch seinen allcrvecrrauresten, liebsten Freund ü-bcrsetzt worden, und hinzugefüget wird, der vielleicHrGywanuü geLvcfen: so kann das Letztere sich unmög-lich von Gcrlachen herschreiben, und beides zcigt, mitwelcher Nachlässigkeit und Unwissenheit das ganze Tage-buch aus des Verfassers lateinischen Papieren zusammen-gestöppelt worden, der doch wohl wissen mußte, wer Tho-mas ^rastuv war, welcher Neusern in dem Streite ü«ber die Kirchenzucht beygestanden, und eine so vertrauteFreundschaft mit ihm unterhalten hatte, daß er bey vie-len des Arianismus hernach selbst verdachtig wurde.Diesen meinte Neuser unstreitig, und all die etymologi-sche Bedeutung des Worts war gar nicht zu denken; ob-schon freylich Neuser der Vertrauten mehr gehabt hatte,und diese seine Aussage wider den ErastuS auch garnichts beweiset. Denn ein anderes ist, der Bertraute ir-riger Lehrsätze seyn; und ein anderes, solche Lehrsätzeselbst Hagen . Ich kann diesen lLrasius nicht anders alshochschätzen, dem ein Neuser seine geheimsten Gedankenanvertrauen durfte, und der doch auch wiederum mit ei-nem strengen Orthodoxen so freundschaftlich und unanstös-sig leben konnte, daß dieser Orthodoxe selbst nicht An-stand nahm, sein eifrigster Vertheidiger zu werden.

Dclill