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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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z,Glaube, ohne Einsicht und Ucbcrführung seyn: so muß«te er nothwendig die Vernunft ganzlich schweigen heißenund unterdrücken. Und darauf legten es schon die A««postel an; die denn auch, weil sie ihr eignet« Glaubens-systcm nicht völlig überdacht, und nach allen Gnmdar-,,tikcln Zureichend bestimmt hatten, ihren Nachkommen».Gelegenheit gab<m, immer mehrere Glaubensbücher,«Geheimnisse, Ceremonien und Glaubcnsformeln zu stiftten, und sich dabey aufS äusserste unter einander zu vcr-ketzern; auch wenn der Apostel ihre Schriften nicht ge-nugsam den Streit entscheiden, ein Ncbenprineipiumder Tradition, und des päpstischen Ausspruchcö cinzu?führen. Da man bey dem allzu grob gewordenen Abfall,,dcs Christenthums zum Aberglauben, eine Reformationansicng; konnte man doch nicht einig werden, wie,,viel von den unsaubern Schlacken wegzuwerfen wäre.Der eine näherte sich der Vernunft mehr als der andre;und beide doch nicht genug, daß es gegen die Einwürfeder sogenannten Deisten und Naturalisten bestehen konn-z,te. Daher haben einige Theolog!, wie gesagt, daZ.Christenthum, was die Glaubenssätze und Principiabetrift, noch weiter nach der Vernunft zu bequemen gc-sucht, um es auf solche Weise von seinem gänzlichen.Falle zu retten, und den; denkenden Menfchen unanstöftsig zu macheu. Ich zweifle aber fast, ob nach dieserMethode von dem Christenthum,: viel mehr nachbleibensiwerde, als der blosse Name. Wenigstens haben die.,,mehrsten Theolog! aller Sekten solche Vereinigung des.Glaubens mit der Vernunft, für eine wirkliche Aufhe-bung aller Glaubenslehren angesehen, und mit allen.

Kräften