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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Heuchelei), womit sich viele in der Christenheit zu ihreminnern Verdrösse behelfen müssen, zeuget wider dieHerren Theologen, daß sie ein freyes Bekenntniß dervernünftigen Religion durch Furcht und Zwang unter-drüeken. Denn wer würde wohl in einer so ernsthaftenSache, wider seine eigene Ucberführung, öffentlicheHandlungen begehen, die ihm ein Ectcl und Aergernißsind? Wer würde seine wahre Meinung, dafür er sichsonst gar nicht zu schämen hatte, vor seinen Freundenund Verwandten beständig verhclcn? Wer würde seineeigene Kinder in solche Schulen schicken, da sie, nachseiner Einsicht von der wahren Religion, die er selbstzu haben vermeint, zu einem blinden und verderblichenAberglauben angeführt werden, wenn er solches allesnicht aus grosser Furcht für den Verlust seiner ganzenzeillichen Wohlfahrt zu thun genöthigt wäre? DieHerren Prediger mögen gewiß glauben, daß ein ehrlicherMann seinem Gemüthe keine geringe O.uaal anthunmuß, wenn er sich sein ganzes Leben hindurch stellen undverstellen muß. Was soll er aber anfangen, da diemeisten Menschen, darunter er libt, mit Haß und BoS-hcit, gegen den Unglauben, von der Priestcrschast erfülltsind? Man würde ihm Frcuudschast, Vertrauen, Um-gang, Handel und Wandel, ja alle Liebesdienste versagen, und ihn als einen ruchlosen und abscheulichenMissethäter vermeiden. Welcher gute Bürger wur-zle seiue Tochter wissentlich einem Uuchristen zur Ehe ge-bcn? Und wie würde die, so in seinen Armen schlaft,,,wenn sie dereinst ihres Maunes wahre Meinung vondein Christenchum erführe, nach ihrer Schwachheit

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