Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
206
Einzelbild herunterladen
 

( 206 )

stcrhafte Vöscwichter. Denn er ist einmal so unterrich-tct, daß ein frvnuncr Wandel allein aus dem Glauben,d. i. aus dem Chrisicnlhumc, entstcheu könne, und daßalle, die nicht Christen sind, nothwendig allen Sündenergeben seyn müßten. Gleich als ob die gesunde Ver-nunft und das Nattugesitz nicht die eigentliche Quellealler Pflichten und Tugenden wäre, woraus Christusselbst und die Apostel ihre Vmschrislen geschöpft haben.Wenigstens setzt diese Benennung der Unchnsteu, solcheLeute in eine Reihe mit Juden, Türken und H.idcn,von,,welchen die Christen alles Arge in Lehre und Leben zudenken pflegen. Von Naturalisten, Deisten, Hrcy-deukcrn stellt sich der unwissende Haufe im bösen Ver-sande nichts besscrs vor, als daß sie die Natur zu Gottmachen, uud in ungezügelter Frechheit blos nach ihrenLüsten handeln. Gpötrcr der Religion und Gor-revläjteccr, nebst andern solchen theologischen Ausdrü-cken, geben vollends christglaubigcn Seelen, ein Bild vonden abscheulichste» Creaturen, die man ausrotten undvertilgen müsse. Das heißt ja wohl recht, vcrla'umden,die Unschuld mit der Bosheit vermengen, und eben diegiftigen Waffen, womit die Heiden wider das Christen-thum stritten, nun als christliche gebrauchen. Denn dieersten Christen mußten auch bey den Heiden, Atheistenund Gotteslästerer heissen, weil sie weder an den Jupi-»,tcr, noch an den Saturn, noch an die Zuno glaubten,sondern ihrer wohl gar in öffentlichen Schriften spotte-ten. Eben dieses erinnert uns aber auch der jetzigenUnbilligkeir, mit Schriften gegen das Christenthum ge-waltsam und schimpflich umzugehen. Wenn in solchen

»Schriften