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„stcrhafte Vöscwichter. Denn er ist einmal so unterrich-„tct, daß ein frvnuncr Wandel allein aus dem Glauben,„d. i. aus dem Chrisicnlhumc, entstcheu könne, und daßalle, die nicht Christen sind, nothwendig allen Sünden„ergeben seyn müßten. Gleich als ob die gesunde Ver-nunft und das Nattugesitz nicht die eigentliche Quelle„aller Pflichten und Tugenden wäre, woraus Christus„selbst und die Apostel ihre Vmschrislen geschöpft haben.„Wenigstens setzt diese Benennung der Unchnsteu, solche„Leute in eine Reihe mit Juden, Türken und H.idcn,von,,welchen die Christen alles Arge in Lehre und Leben zu„denken pflegen. Von Naturalisten, Deisten, Hrcy-„deukcrn stellt sich der unwissende Haufe im bösen Ver-sande nichts besscrs vor, als daß sie die Natur zu Gott„machen, uud in ungezügelter Frechheit blos nach ihren„Lüsten handeln. Gpötrcr der Religion und Gor-„revläjteccr, nebst andern solchen theologischen Ausdrü-cken, geben vollends christglaubigcn Seelen, ein Bild von„den abscheulichste» Creaturen, die man ausrotten und„vertilgen müsse. Das heißt ja wohl recht, vcrla'umden,„die Unschuld mit der Bosheit vermengen, und eben die„giftigen Waffen, womit die Heiden wider das Christen-„thum stritten, nun als christliche gebrauchen. Denn die„ersten Christen mußten auch bey den Heiden, Atheisten„und Gotteslästerer heissen, weil sie weder an den Jupi-»,tcr, noch an den Saturn, noch an die Zuno glaubten,„sondern ihrer wohl gar in öffentlichen Schriften spotte-ten. — Eben dieses erinnert uns aber auch der jetzigen„Unbilligkeir, mit Schriften gegen das Christenthum ge-waltsam und schimpflich umzugehen. Wenn in solchen
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