Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
216
Einzelbild herunterladen
 

bliebe, eiiren gegenseitige» und strengern Befehl bekom--men harren, als Moses, in Betrachtung der Vernunft!-gen Verehrer Gottes bekommen oder gegeben hat? Obsie eine einzige Stelle im ganzen neuen Testament aus-zuweisen können, daß solche 5eute in der Christenheitdurchaus nicht geduldet werden müßten? Ich weiß wohl,daß die Evangelisten Christo den harten Ausspruch inden Mund legen: wer nicht glaubt, der wird verdammetwerden. Allein wenn wir auch diese Nachricht, so wiesie lautet und gedeutet wird, völlig annehmen: so bleibtdoch ein gewaltiger Unterschied zwischen den Säßen:diese und jene Menschen können nach der HcilsordnungGottes nicht selig werden: und, eben die Menschen sindin der bürgerlichen Gesellschaft und unter Christen nichtzu dulden, noch zu einem öffentlichen Bekenntnisse ihrerReligion zu lassen. Wie wollten sie mit dem letzter»Satze zusammen reimen, daß sie den Juden und meh-rern andern Ungläubigen und Irrgläubigen, welche auchin ihren Augen ewig verdammt sind, dennoch auf dieserWelt unter sich eine öffentliche vrivilcgirre Ausübungihrer Religion verstatten ? Christus sagt seinen Jüngernanderwärts: sie sollten das Unkraut wachsen lassen biszur Erndte; d. i. sie sollten denen, die auch falsche Mei-nungen hägten und lehrten, ihre menschliche Einsicht nndReligionsfrcyhcit nicht durch gewaltsame Mittel zu be-nehmen suchen, oder ihr Aufkommen hindern, sondernalles dem künftigen Gerichte Gottes überlassen. Wenn^also auch die Menschen, welche Gott bloß nach vernünf-tigen Einsichten verehren, mit unter das Unkraut, d. i.unter die irrig und falsch lehrenden, zu rechnen wären: